AUVA Radworkshop - Radfahren ist für alle da - matomo

Laut Statistik Austria gab es im Schuljahr 2021/22 in Österreich 3.008 Volksschulen und 277 Sonderschulen. Eine dieser Sonderschulen, die SO Tamsweg, nahm Mitte Juni 2023 am bundesweiten AUVA-Radworkshop teil. Zwei Wochen zuvor hatten bereits die Kinder der VS Tamsweg beim Radprogramm mitgemacht. Martin Kollowein war bei beiden Veranstaltungen als CAPtain vor Ort. 

CAP: Martin, du bist seit 2021 als Trainer beim AUVA-Radworkshop dabei. Wie bereitest du dich auf die Teilnahme von Sonderschulen vor?
 
Martin: Ich bereite mich gleich wie auf jede andere Schule vor. Wichtig ist aber der Austausch mit der Direktion, wie die Kinder so sind, welche verschiedenen Bedürfnisse gibt es. Die Direktorin, Frau Esterl, hat sich hervorragend darum gekümmert, dass genügend Helfer:innen, viele Eltern vor Ort waren, und die kennen die Kinder natürlich am besten. Von meiner Seite her, gehe ich mit viel Freude an die Sache ran, die Kinder spüren das und das hat gut funktioniert.
 
CAP: Was ist für dich wichtig im Vorfeld zu wissen?
 
Martin: Wie unterschiedlich die Kinder sind, dass ich mich selbst ein bisschen darauf einstellen kann. Da ich zwei Wochen vorher schon am Schulstandort war, kannte ich bereits den Platz. Ich habe den Parcours sehr ähnlich gestaltet. Die Kurven habe ich einfacher gebaut, die Parcoursstation „Gehsteigkante“ habe ich herausgenommen. Die Direktorin hat mir auch gesagt, dass viele Kinder sehr gut mit dem Rad unterwegs sind. Und das war dann auch so.
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fotocredit: SO Tamsweg
CAP: Was tun Kinder, die nicht mit dem Rad durch den Parcours fahren können?
 
Martin: Also es waren sicher zwei Drittel der Kinder mit dem eigenen Rad im Parcours unterwegs. Manche mit dem Roller, manche mit dem Gokart. Die haben dort wirklich viele Fahrzeuge an der Schule.
 
CAP: Und was ist mit Kindern im Rollstuhl?
 
Martin: Ja, die Kinder im Rollstuhl wurden von Lehrerinnen im Parcours begleitet. Die hatten auch eine Riesenfreude. Jedes Kind braucht einfach die Zeit, bis es sich wo (Anm.: über die Hindernisse) drüber traut. Aber in Tamsweg war es wirklich so, dass die, die mit den Rädern unterwegs waren, die haben alles probiert. Sogar mit den Kindern im Rollstuhl sind wir über die Hindernisse drübergefahren. Die Kinder, die mit dem Gokart unterwegs waren, die sind seitlich vorbeigefahren. Das Wichtigste ist einfach, dass die Kinder Freude und Spaß daran haben.
 
CAP: Wie gestaltet sich der Programmablauf? Gibt es hier Unterschiede?
 
Martin: Ganz regulär, wobei ich die Erklärungen etwas kürzer halte. Ich habe die Kinder begrüßt, die waren auch total lieb und nett. Und sehr erwartungsvoll. Die Helfer:innen (Anm.: Lehrer:innen, Eltern) waren dann auch bei den einzelnen Stationen. Das heißt, wir hatten hier von allen Seiten eine super Unterstützung.
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fotocredit: SO Tamsweg
CAP: Bevor es in den Parcours geht, wird ja der Rad- und Helm-Check gemacht…
 
Martin: Genau. Also Rad-Check ist eh klar. Den mache ich wie immer. Beim Helm-Check muss man etwas vorsichtiger sein, manche Kinder sind da einfach empfindlicher. Da ist die Absprache mit der Direktorin, mit der Lehrerin wichtig. Manchmal haben die Kinder mehr Vertrauen zur Lehrerin, manche Kinder haben sich den Helm aber auch gern von mir anpassen lassen.
 
Bei Kindern im Rollstuhl, die den Kopf eher seitlich hatten, da haben wir keinen Helm aufsetzen können. Diese Kinder waren aber immer gemeinsam mit einer Lehrerinnen im Parcours und sind diesen durchgefahren. 
 
CAP: Gab es auch irgendwelche Zwischenfälle? Wie würdest du auf verhaltensauffällige Kinder reagieren?
 
Martin:  Nein, Vorfälle gab es keine. Das ist wohl eine Erfahrung, die ich noch machen muss, wie ich dann reagieren würde. Grundsätzlich bin ich eher der Typ, dass ich da ruhig bleibe, ich mir das erst einmal anschaue. Beim Radworkshop ist auch immer eine aufsichtspflichtige Lehrperson dabei und die kennt das Kind einfach am besten.
 
CAP:  Welche Unterstützung hättest du gern seitens der Schule, der Lehrer:innen, der Eltern damit alles gut klappt?
 
Martin: Dass die Räder in Ordnung sind, die Helme zu Hause schon gut eingestellt wurden. Und dass wir genug Helfer:innen haben. Wie bei jedem anderen AUVA-Radworkshop auch.
 
CAP: Gab es ein besonders schönes Erlebnis an der SO Tamsweg?
 
Martin: Alle an der Schule sind so liebevoll mit den Kindern umgegangen. Das war echt schön mitanzusehen. Die Kinder haben gelacht, die hatten eine Freude, wollten gar nicht aufhören. Von Runde zu Runde sind sie besser geworden. Die Kinder im Rollstuhl waren total happy bei der Bremsstation – wie sie beschleunigt und dann wieder abgebremst haben. Es war der ganze Radworkshop ein schönes Erlebnis.
 
CAP: Von insgesamt 194 Grundschulen, die 2023 am AUVA-Radworkshop teilgenommen haben, waren es gerade einmal 3 Sonderschulen. Schade, dass nicht mehr Sonderschulen mitmachen, oder wie siehst du das?
 
Martin: Absolut. Der AUVA-Radworkshop gehört auch an Sonderschulen. Weil die Kinder nehmen extrem viel mit und das ist auch etwas sehr Besonderes für die Kinder. Und jedes Kind ist individuell, jede Schule ist anders. Wichtig ist einfach, dass man sich abspricht und dass man aufeinander eingeht.
 
CAP: Danke, Martin für das Interview. Auf der Homepage der Sonderschule Tamsweg steht „Wer nicht bewegt ist, kann nicht bewegen. Wer nicht selbst begeistert ist, kann nicht begeistern!" Und du bewegst und begeistert. Schön, dich im Team zu haben. 
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fotocredit: SO Tamsweg
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fotocredit: SO Tamsweg
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fotocredit: SO Tamsweg

Herzlichen Dank an die Sonderschule Tamsweg für die tollen Bilder. Wer mehr davon sehen möchte, einfach hier klicken.